CDU und SPD plündern die sportpolitischen Not-Groschen
Der Neusser Sport steht vor einem gewaltigen Investitionsstau: Bäder, Eissporthalle, Bezirkssportanlagen, Turnhallen – die Sanierung der Neusser Sportinfrastruktur in ihrem Bestand würde bereits jetzt über 80 Mio. € verschlingen.
Alle Verantwortlichen wissen, dass Neuss das nicht stemmen kann und wird. Daher haben wir Grünen uns für einen neuen Sportentwicklungsplan eingesetzt, der nun 2026 endlich in Auftrag gegeben wird. Er soll helfen, die knappen Mittel dort einzusetzen, wo die Zukunft des Sports liegt.
Wie aus der Presse zu entnehmen ist, werden CDU und SPD einen Antrag im Sportausschuss einreichen, der das gesamte Investitionsvolumen der Wahlperiode auffrisst, u.a. für den Bau von Kunstrasenplätzen auf Bezirkssportanlagen im Neusser Süden.
„Anstatt die Ergebnisse des Sportentwicklungsplans abzuwarten für einen kriteriengeleiteten Einsatz der knappen Mittel, wird ohne Not der letzte Groschen der Wahlperiode zweckentfremdet,“ kritisiert Elmar Welter, sportpolitischer Sprecher der GRÜNEN. Er fragt: „Wovor haben CDU und SPD Angst?“
Auch widerspricht der Antrag gültigen Ratsbeschlüssen, wie „keine Kunstrasenplätze“ oder „Sanierung im Bestand vor Neubau“.
„Kunstrasenplätze sind aus ökologischen, wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Gründen abzulehnen!“, sagt Bettina Weiß, Fraktionssprecherin der GRÜNEN.
Das Problem liegt tiefer. Für eine nachhaltige, zukunftsweisende Sportpolitik müssen sich die Neusser von ihren sportpolitischen Traditionen lösen.
Mit dem Sportgipfel im Mai wurde ein hoffnungsvoller Anfang gemacht, bei dem klar wurde, ein „Weiter so!“ darf und kann es nicht geben. Nicht nur, dass das Geld dafür fehlt, es würde auch den neuen sportlichen Entwicklungen nicht gerecht werden, wie der Vortrag von Prof. Thime und die nachfolgende Diskussion zeigte.
Der nun vorgelegte Antrag der CDU/SPD ist Ausdruck vergangener Sportpolitik, die zu diesem Sanierungsstau geführt hat und sich offensichtlich jeglicher sportwissenschaftlichen Erkenntnis verschließt.
Der Geist des Antrags ist in der Zeit des „Goldenen Plans“ der 60/70er Jahre verortet, wo jedem Klientel-Stadtteil seine eigene Sportstätte gegenseitig gegönnt wurde.
Sie ignoriert nicht nur die Haushaltslage, sondern vielmehr, dass sich seitdem das Sportbedürfnis der Bevölkerung gewandelt hat. Der Trend geht zu individuellen, informell betriebenen Sport- und Bewegungsaktivitäten und das im zunehmenden Maße im öffentlichen Raum und nicht hinter Zäunen von vereinsdominierten Bezirkssportanlagen.
Öffentliche Flächen und Sport müssen multifunktional miteinander verbunden werden.
„Jedem seinen Kunstrasenplatz mag der Traum von Vereinsfunktionären sein, im Glauben, den Mitgliederschwund damit entgegenwirken zu können, geht aber an den Herausforderungen kommunaler Sportentwicklung vorbei“, stellt Elmar Welter fest.
Die Grünen plädieren dafür, den „Not-Groschen“ da einzusetzen, wo bereits seit langem die Not am größten ist – bei den Kindern und Jugendlichen in Erfttal und im Neusser Norden!
Das ist allen Sportpolitikern hinreichend bekannt. Dennoch gelingt es, diese berechtigten Interessen der Kinder und Jugendlichen immer wieder zugunsten bestvernetzter Lobbyisten ans Ende der Fresskette zu schieben – auch so eine Tradition im Neusser Sport!
Wir Grünen plädieren für den Weg der sportpolitischen Vernunft. Lassen Sie uns die Ergebnisse des Sportentwicklungsplans 2.0 abwarten und dann einen Plan machen, der in die Zukunft weißt.
Wir haben nachgefragt welche Auswirkungen Kunstrasenplätze für das Klima und die Finanzen der Stadt Neuss haben. Im Sportausschuss am 02.07.2026 wurde berichtet.
