EU-Zukunft im Fokus

Foto: GRÜNE Neuss

Daniel Freund im Europa-Café in Neuss

Am Samstag, den 09. Mai 2026, präsentierten wir vormittags einen Bürgerstand, an dem Passant:innen Wünsche für ein handlungsfähiges Europa notierten und Herzen für die potenziellen EU‑Beitritte kleben konnten. Die eindeutigen Gewinner der Abstimmung: die Ukraine, Türkei und Albanien. Ab 17:30 Uhr stand Daniel Freund (MdEP) im Rahmen des „Europa‑Café“ in unserer Geschäftsstelle für Fragen zur Verfügung und stellte zentrale Reformvorhaben der Europäischen Union vor.  

Unser Stand in der Neusser Innenstadt stellte insbesondere den Wunsch nach Frieden, Sicherheit und Gemeinschaft in den Fokus. Analog ging es abends in eine ähnliche Richtung, die den Wunsch nach mehr Einstimmigkeit im Rat, einer gemeinsamen europäischen Verteidigungsstrategie und einer stärkeren Sichtbarkeit europäischer Themen bei den Bürger:innen betonten. Freund erklärte, dass die aktuelle Blockademechanik, wie sie etwa durch den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán genutzt wurde, durch eine Reform der Abstimmungsregeln überwunden werden müsse, um handlungsfähige Entscheidungen zu ermöglichen.  

Im Dialog mit den Teilnehmenden thematisierte Freund die Gefahr einer Überforderung der EU durch weitere Erweiterungen, betonte jedoch den Erfolg der Osterweiterung und verwies auf die Notwendigkeit, sowohl Beitrittskriterien als auch institutionelle Strukturen zu reformieren.

Zur deutschen Vertretung in Brüssel kritisierte Freund die ehemalige Ampel‑Koalition wegen innerer Uneinigkeit, die häufig zu Enthaltungen geführt habe. Die positive Resonanz auf den Besuch vom damals frisch gewählten Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew habe zunächst Hoffnung geweckt, sei jedoch seitdem von Ernüchterung über die angestrebte Mehrheitsfindung mit den rechten Rändern wie der italienischen Fratelli d’Italia von Giorgia Meloni überschattet.  

Angesprochen auf die deutsch‑französische Freundschaft verwies Freund darauf, dass sie nicht mehr zwingend für Mehrheiten nötig sei, jedoch weiterhin als Motor für die EU‑Integration diene. Ein möglicher Sieg des Rassemblement National in Frankreich würde demnach die europäische Stabilität gefährden.  

Bezüglich Ungarns Vorbildfunktion für rechtsgerichtete Bewegungen betonte Freund, dass Populisten zwar manche Probleme richtig benennen, ihre Lösungen jedoch nicht tragfähig seien. Auf die Frage, ob es das Schicksal weiterer EU-Länder sein wird, erst einen solchen Rechtsruck durchmachen zu müssen, bevor der Weg zur Demokratie wieder frei sei, antwortete Freund: „Ich hoffe nicht. Es ist an uns Demokratinnen und Demokraten aufzuzeigen, was die richtigen Lösungen sind.“

Am Ende war man sich weitgehend einig, dass auch Neusser Bürger:innen einen praktischen Nutzen von der Europäischen Union haben. Der Strukturfonds für ehemalige Kohlereviere oder der Erhalt des Erasmus+ Programms können nur gemeinsam getragen werden.

„Die gesammelten Wünsche der Neusser zeigen deutlich, dass die Bevölkerung ein starkes, handlungsfähiges Europa verlangt. Wir müssen die institutionellen Hürden abbauen, damit die EU nicht nur reagiert, sondern proaktiv gestaltet“, so auch Tobias Berresheim, unser Beisitzer und Organisator der Veranstaltung.